Arti­kel 5 der PPWR: PFAS Grenz­wer­te und Stoff­an­for­de­run­gen für Ver­pa­ckun­gen

Arti­kel 5 der PPWR: PFAS Grenz­wer­te und Stoff­an­for­de­run­gen für Ver­pa­ckun­gen

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PPWR Update - Artikel 5 PPWR Besorgniserregende Stoffe

Mit der euro­päi­schen Pack­a­ging and Pack­a­ging Was­te Regu­la­ti­on (PPWR) ver­schärft die EU die Anfor­de­run­gen an Ver­pa­ckun­gen deut­lich. Ein zen­tra­ler Bau­stein ist Arti­kel 5 der PPWR, der die Begren­zung soge­nann­ter besorg­nis­er­re­gen­der Stof­fe regelt. Beson­ders im Fokus ste­hen dabei PFAS (per‑ und poly­fluo­rier­te Alkyl­sub­stan­zen) in Lebens­mit­tel­kon­takt­ver­pa­ckun­gen.

Die neu­en Vor­ga­ben gel­ten ab dem 12. August 2026 unmit­tel­bar in allen EU‑Mitgliedstaaten. Für Her­stel­ler, Impor­teu­re und Mar­ken­in­ha­ber bedeu­tet das: kon­kre­ter Hand­lungs­be­darf bei Mate­ri­al­zu­sam­men­set­zun­gen, Lie­fer­ket­ten und der tech­ni­schen Doku­men­ta­ti­on.

Was regelt Arti­kel 5 der PPWR zu besorg­nis­er­re­gen­den Stof­fen?

Arti­kel 5 ver­folgt einen zwei­stu­fi­gen Ansatz:

All­ge­mei­ne Mini­mie­rungs­pflicht

Zunächst schreibt die PPWR vor, dass Ver­pa­ckun­gen so her­ge­stellt sein müs­sen, dass das Vor­han­den­sein und die Kon­zen­tra­ti­on besorg­nis­er­re­gen­der Stof­fe in Ver­pa­ckungs­ma­te­ria­li­en und ‑kom­po­nen­ten auf ein Min­dest­maß begrenzt wer­den.

Die­se Pflicht ist bewusst weit gefasst und betrifft alle Stof­fe, die

  • ein Risi­ko für die mensch­li­che Gesund­heit dar­stel­len oder
  • Recy­cling­pro­zes­se und Stoff­kreis­läu­fe beein­träch­ti­gen kön­nen.

Kon­kre­te Grenz­wer­te für bestimm­te Stof­fe

Zusätz­lich legt Arti­kel 5 ver­bind­li­che Grenz­wer­te für aus­ge­wähl­te Stoff­grup­pen fest, dar­un­ter:

  • die vier Schwer­me­tal­le Blei, Cad­mi­um, Queck­sil­ber und sechs­wer­ti­ges Chrom
  • PFAS in Lebens­mit­tel­kon­takt­ver­pa­ckun­gen, oft als „Ewig­keits­che­mi­ka­li­en“ bezeich­net

PFAS sind eine gro­ße Grup­pe syn­the­ti­scher Che­mi­ka­li­en mit fett‑, wasser‑ oder schmutz­ab­wei­sen­den Eigen­schaf­ten und zeich­nen sich durch eine hohe Umwelt­per­sis­tenz aus. Ziel der PPWR ist es, deren nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf Gesund­heit, Umwelt und Recy­cling­fä­hig­keit zu redu­zie­ren.

Die kon­kre­ten Grenz­wer­te gemäß Arti­kel 5 der PPWR    

Schwer­me­tal­le

Der Sum­men­grenz­wert aus frü­he­ren Regel­wer­ken wird in der PPWR fort­ge­führt: Die gemein­sa­me Sum­me aus Blei, Cad­mi­um, Queck­sil­ber und sechs­wer­ti­gem Chrom darf 100 mg/kg nicht über­schrei­ten. Die­se Begren­zung gilt für sämt­li­che Ver­pa­ckun­gen.

PFAS in Lebens­mit­tel­kon­takt­ver­pa­ckun­gen

 Ab dem 12. August 2026 dür­fen Lebens­mit­tel­kon­takt­ver­pa­ckun­gen nicht in Ver­kehr gebracht wer­den, wenn sie fol­gen­de Grenz­wer­te errei­chen oder über­schrei­ten:

  • 25 ppb für ein­zel­ne PFAS (geziel­te Ana­ly­se; poly­me­re PFAS nicht ein­ge­schlos­sen)
  • 250 ppb für die Sum­me der PFAS (Sum­me geziel­ter Ana­ly­sen; wo anwend­bar inklu­si­ve vor­he­ri­gem Abbau von Vor­läu­fer­stof­fen; poly­me­re PFAS nicht ein­ge­schlos­sen)
  • 50 ppm für PFAS ein­schließ­lich poly­me­rer PFAS

 

Wich­tig für die Pra­xis: Für die Markt­fä­hig­keit zählt die nach­ge­wie­se­ne Kon­zen­tra­ti­on. Es wird nicht danach unter­schie­den, ob PFAS absicht­lich ein­ge­setzt oder unbe­ab­sich­tigt ein­ge­tra­gen wur­den.

Zusätz­li­che Anfor­de­rung bei erhöh­tem Gesamt­flu­or

Liegt der Gesamt­flu­or-Gehalt einer Ver­pa­ckung über 50 mg/kg, müs­sen Her­stel­ler oder Impor­teu­re auf Anfra­ge nach­wei­sen kön­nen, wel­cher Anteil des Flu­ors auf PFAS bzw. Nicht-PFAS zurück­zu­füh­ren ist.

FAQ: Häu­fi­ge Fra­gen zur Begren­zung von besorg­nis­er­re­gen­den Stof­fen

Nach der PPWR ist der Her­stel­ler ver­ant­wort­lich für die Kon­for­mi­tät der Ver­pa­ckung. Her­stel­ler ist, wer

  • Ver­pa­ckun­gen oder ver­pack­te Pro­duk­te her­stellt oder
  • sie unter eige­nem Namen oder eige­ner Mar­ke desi­gnen oder her­stel­len lässt und
  • sie erst­mals auf dem EU-Markt in Ver­kehr bringt.

 

Damit sind ins­be­son­de­re nach­weis­pflich­tig:

  • Mar­ken­in­ha­ber
  • Han­dels­un­ter­neh­men mit Eigen­mar­ken
  • Impor­teu­re (bei Ein­fuhr aus Dritt­län­dern)

 

Wich­tig: Auch Online-Retail­er kön­nen in die Her­stel­ler­ver­ant­wor­tung fal­len.

Nein, für die Stoff­be­gren­zun­gen nach Arti­kel 5 der PPWR sind kei­ne Men­gen­schwel­len vor­ge­se­hen.

Sobald Ver­pa­ckun­gen in Ver­kehr gebracht wer­den, müs­sen die Grenz­wer­te ein­ge­hal­ten wer­den – unab­hän­gig von Unter­neh­mens­grö­ße oder Stück­zahl.

PFAS wer­den typi­scher­wei­se dort ein­ge­setzt, wo Fett‑, Wasser‑ oder Schmutz­ab­wei­sung erfor­der­lich ist, z. B. bei beschich­te­ten Papier‑ oder Kar­ton­ver­pa­ckun­gen.
Ob eine Ver­pa­ckung PFAS ent­hält, lässt sich jedoch nur durch:

  • Lieferanten‑ und Mate­ri­al­erklä­run­gen sowie
  • geziel­te Labor­ana­ly­sen (z. B. PFAS‑Analyse oder Gesamtfluor‑Screening)
    ver­läss­lich fest­stel­len.

Nein. Aus­schlag­ge­bend ist das Datum des Inver­kehr­brin­gens, nicht das der Her­stel­lung. Ab Inkraft­tre­ten der neu­en PPRW dür­fen kei­ne Lebens­mit­tel­ver­pa­ckun­gen in Ver­kehr gebracht wer­den, die die neu­en PFAS-Grenz­wer­te über­schrei­ten. Bereits in Ver­kehr gebrach­te Ver­pa­ckun­gen müs­sen jedoch nicht zurück­ge­zo­gen wer­den.

Pra­xis­tipps: Was Unter­neh­men jetzt kon­kret tun müs­sen

Die Anfor­de­run­gen aus Arti­kel 5 der PPWR betref­fen alle Unter­neh­men, die Ver­pa­ckun­gen erst­mals auf dem EU-Markt bereit­stel­len. Auch Ver­pa­ckungs­lie­fe­ran­ten und Mate­ri­al­her­stel­ler sind mit­tel­bar betrof­fen, da sie ent­spre­chen­de Nach­wei­se lie­fern müs­sen.

Emp­foh­le­ne Maß­nah­men:

Fazit: Früh­zei­tig han­deln und Rechts­si­cher­heit schaf­fen

Die neu­en Anfor­de­run­gen an Ver­pa­ckun­gen inklu­si­ve ver­bind­li­cher Grenz­wer­te gel­ten ab dem 12. August 2026; eine Über­gangs­frist gibt es nicht.

Unter­neh­men soll­ten jetzt:

  • Mate­ri­al­strö­me ana­ly­sie­ren
  • PFAS-Risi­ken bewer­ten
  • Lie­fer­ket­ten absi­chern
  • inter­ne Prüf­pro­zes­se anpas­sen

 

Wer früh­zei­tig han­delt, sichert nicht nur regu­la­to­ri­sche Kon­for­mi­tät, son­dern leis­tet zugleich einen wert­vol­len Bei­trag zu nach­hal­ti­gen und schad­stoff­ar­men Ver­pa­ckungs­kreis­läu­fen.

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Erfüllen Sie auch die PPWR Vorgaben in Punkto Recyclingfähigkeit

Die Recyclingfähigkeit von Verpackungen spielt eine zentrale Rolle in der PPWR-Verordnung. Diese fordert ab 2030 recycelbare Verpackungen mit steigendem Rezyklatanteil. Unternehmen sollten deshalb bereits jetzt ihr Verpackungsdesign optimieren, um gesetzliche Vorgaben zu erfüllen und die Kreislaufwirtschaft zu stärken.

Weitere Informationen:

Überprüfung Recyclingfähigkeit - rotate

Überblick und Zusammenfassung zur PPWR Verordnung

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